Die Kanzleien sind in Aufruhr, Militärexperten monopolisieren die Fernsehsender, aber die wahre Schockwelle, still und unerbittlich, ist wirtschaftlicher Natur. Wenn die Revolutionsgarden die Durchfahrt verbieten, die Reeder ihre Schiffe stoppen und die weltweiten Versicherer ihre Deckung schlichtweg kündigen, wird die Lebensader der Weltindustrie durchtrennt. Fast ein Fünftel des weltweiten Erdöls und ein Fünftel des Flüssigerdgases sind dort gefangen. Die Gefahr, die man für gebannt hielt, ist zurück: der massive, heftige und unmittelbare Angebotsschock.
In diesem Sturm wird die Realwirtschaft – die Kunststoff- und Verbundwerkstoffindustrie – von der Welle mit voller Wucht getroffen. Unser Rohstoff, der zum größten Teil aus der Petrochemie stammt, wird automatisch unter dem explosionsartigen Anstieg der Ölpreise leiden. Unsere Materialien sind jedoch überall zu finden: in Lebensmittelverpackungen, Automobilkomponenten, der Luftfahrt und medizinischen Geräten. Dieser Anstieg unserer Produktionskosten wird sich wie ein Lauffeuer auf eine Vielzahl von nachgelagerten Branchen ausbreiten. Die importierte Inflation wird erneut den Einkaufswagen und die Kaufkraft der Franzosen treffen.
Die dreifache Strafe: Unser regulatorischer Masochismus muss aufhören
Zu dieser doppelten globalen Belastung (logistisch und energetisch) kommt für die französische Industrie noch eine dritte hinzu, die rein endogen und, um es ganz offen zu sagen, tödlich ist.
Während die Welt in Flammen steht und unsere internationalen Konkurrenten um jeden Preis ihre Position sichern, beharrt Frankreich darauf, seine Industrie mit normativen Fesseln zu belasten, die wir als Einzige weltweit uns selbst auferlegen. Die frenetische Übertransposition europäischer Texte (wie der Gesetzentwurf DDADUE zeigt) und die strafende, dogmatische und blinde Anhäufung von Gesetzen wie dem AGEC kommen heute einem wirtschaftlichen Selbstmord gleich. Nennen wir die Dinge beim Namen: Es handelt sich um eine regelrechte Selbstzerstörung, die von unserer eigenen Verwaltung orchestriert wird.
Die Ironie dieser Situation ist grausam. Um uns von der Diktatur des Ölfasses zu befreien, gibt es eine Alternative, und zwar eine industrielle: recycelter Kunststoff, insbesondere in Verpackungen (die mehr als 40 % unseres Sektors ausmachen). Aber den Aufbau einer massiven und nachhaltigen Quelle ist eine gewaltige Herausforderung. Die Realität vor Ort ist jedoch unerbittlich. Wie sollen unsere Unternehmen Millionen Euro in die Kreislaufwirtschaft und Recyclingkapazitäten investieren, wenn gleichzeitig der französische Staat mit allen Mitteln versucht, Einwegkunststoffe zu verbieten? Man verlangt von uns, einen globalen Tsunami zu überstehen, und zwingt uns gleichzeitig, mit hinter dem Rücken gefesselten Händen aufgrund absurder administrativer Auflagen in den Ring zu steigen.
Zeitpunkt der Aufhebung
Dieser geopolitische Schock muss unsere Naivität hinwegfegen. Die berühmte „industrielle Souveränität”, ein Mantra, das von der Exekutive auf Podien immer wieder wiederholt wird, offenbart heute ihre tiefe Heuchelei. Souveränität lässt sich nicht in Ministerien verordnen; sie misst sich an unserer Fähigkeit, unsere Fabriken am Laufen zu halten, wenn die Welt stillsteht.
Ein solcher internationaler Schock kann nicht abgefedert werden, ohne den nationalen Druck zu verringern. Da der Staat den explosionsartigen Anstieg der Energiekosten nicht unbegrenzt durch schuldenfinanzierte Schecks ausgleichen kann, muss er den einzigen kostenlosen, sofortigen und rettenden Hebel nutzen, über den er verfügt: radikale Vereinfachung.
Die absolute Dringlichkeit erfordert die Aufhebung der gegen europäisches Recht verstoßenden französischen Maßnahmen und der strengsten Strafbestimmungen des AGEC-Gesetzes. Je länger dieser Konflikt im Nahen Osten andauert, desto mehr droht unseren Fabriken der Ruin. Die Dringlichkeit, Maßnahmen zur Befreiung unserer Unternehmen zu ergreifen, ist nicht mehr nur eine Floskel, sondern eine Frage des Überlebens.
Die Straße von Hormus ist de facto geschlossen. Frankreich muss endlich die Augen öffnen und erkennen, dass es sich selbst sabotiert.